Missempfindungen

Unter Missempfindungen versteht man die als unangenehm empfundene Wahrnehmung von Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturreizen. Sie treten insbesondere während bzw. nach Krebstherapien als unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln auf. Sie sind meist zurückzuführen auf die sogenannte Neurotoxizität (Nervenschädigung) von Chemotherapeutika, und können sich mit unterschiedlichen Symptomen zeigen:

  • als Missempfindungen meist in Händen, Füßen, Armen, Beinen (Auslöser u. a. Cisplatin, Taxane, Vincristin),
  • als Kopfschmerz, Bewusstseinsstörung (Auslöser u. a. Methotrexat, Ifosfamid),
  • als Hör- und Sehstörung (Auslöser u. a. Cisplatin),
  • als Magen-Darm-Störung, z. B. Lähmung (u. a. durch Vincristin).

Komplementärmedizinische Möglichkeiten

In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Vitamin E (Dosierung 2 mal 300 mg pro Tag) Missempfindungen durch platin- sowie taxanhaltige Chemotherapeutika reduzieren bzw. mildern kann. In den vorliegenden Untersuchungen wurde Vitamin E begleitend zur Chemotherapie verabreicht (10,11,12,13).

Acetyl-L-Carnitin, eine natürlich vorkommende Aminosäure, kann therapeutisch die Rate der Missempfindungen durch platin- oder taxanhaltige Chemotherapeutika reduzieren. In Studien als wirksam getestet war eine Dosierung von 1000 mg pro Tag, verabreicht als intravenöse Infusion (20).

Natriumselenit (= anorganisches Selen, als Tabletten, Trinkampullen oder Infusionlösung in einer Dosierung von 300 Mikrogramm pro Tag) reduziert die nervenschädigenden Nebenwirkungen von Chemotherapeutika (u. a. Cisplatin, Adriamycin, Vinorelbin).

Gabapentin, ein Antiepileptikum kann die durch Chemotherapie (u. a. Cisplatin, Taxane) ausgelösten Missempfindungen reduzieren. Die empfohlene Dosis beträgt 3 mal täglich 300 mg und sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. (21).

Vitamin B-Komplex (z. B. neuro-ratiopharm, BVK-forte) oder α-Liponsäure (z. B. Thioczacid) können Missempfindungen nach Chemotherapien lindern.

Achtung:

Verfahren mit zweifelhaftem erfahrungs- bzw. naturheilkundlichen Unbedenklichkeits-/Wirksamkeitsnachweis sind u. a.: Homöopathie, Bioresonanztherapie, Kinesiologie, Organotherapie, orthomolekulare Therapie mit Vitamin- und/oder Spurenelement-Einzelsubstanzen oder -Gemischen.

Weitergehende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

(10) Pace E et al.: Vitamine E neuroprotection for cisplatin Neuropathia. A randomized controlled trial. Neurology 74:762-766, 2010.

(11) Argyriou AA et al.: Preventing paclitaxel-induced peripheral neuropathy. A phase II trial of vitamine E supplementation. Journal of Pain and Symptom Management 32:237-244, 2006.

(12) Sesso HD, Buring JE, Christen WG, et al.: Vitamins E and C in the prevention of cardiovascular disease in men: the Physicians’ Health Study II randomized controlled trial. JAMA 2008;300:2123–33.

(13) Lippman SM, Klein EA, Goodman PJ et. al.: Effect of selenium and vitamin E on risk of prostate cancer and other cancers: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA 2009; 301: 39–51.

(20) Maestri A et al.: A pilot study on the effect of acetyl-L-carnitine in paclitaxel- and cisplatin-induced peripheral neuropathy. Tumori 91:135-138, 2005.

(21) Hershman DL, Lacchetti C, Dworkin RH et al.: Prevention and management of chemotherapy-induced peripheral neuropathy in survivors of adult cancers: American Society of Clinical Oncology clinical practice guideline. J Clin Oncol. 2014 Jun 20;32(18):1941-67. doi: 10.1200/JCO.2013.54.0914. Epub 2014 Apr 14

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Letzte Aktualisierung: 18.08.2017 © Krebsgesellschaft NRW