Organpeptidtherapie

Organpeptidpräparate sind Extrakte tierischer Organe. Befürworter und Hersteller nennen als Anwendungsgebiete: Verbesserung der Verträglichkeit von Krebs-Standardtherapien, Stabilisierung des Blutes und der Blut bildenden Organe unter Chemotherapie, Minderung von Schmerzen und Erbrechen, Verkürzung der Erholungsphase nach Krebsoperationen, Steigerung der Abwehrkräfte und Verbesserung des Allgemeinbefindens.

Derzeit befinden sich verschiedene Präparate auf dem Markt:

Faktor AF2:
Aminosäurehaltiges Organextrakt / Peptidgemisch aus Milz und Leber vom Schwein, ehemals von Schafembryonen oder Lämmern.
Faktor AF2 soll abwehrsteigernde bzw. die Abwehr schützende Bestandteile enthalten.

NeyDIL Nr. 66 (früher NeyTumorin):
Eiweißpräparat u.a. aus Gehirn, Plazenta, Thymus, Hoden, Nabelschnur, Nebennieren, Schilddrüse, Knochenmark, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Milz, und Darmschleimhaut von Föten und Jungtieren von Rindern und Schweinen.
Der Theorie nach werden durch die zytoplasmatische Therapie mit NeyDIL Nr. 66 dem Organismus „physiologische Reparationshilfen“ zugeführt. Diese sollen bewirken, dass defekte (Organ)Strukturen erneuert werden. Die Behandlung mit einem breiten Spektrum von Organbestandteilen soll effektiver sein als diejenige mit Einzelsubstanzen.

Polyerga:
Dieses Präparat setzt sich zusammen aus Peptiden der Milz vom Schwein.
Es wird damit geworben, dass Polyerga seit mehr als 40 Jahren in der Tumortherapie eingesetzt wird und in zahlreichen kontrollierten Studien und Anwendungsbeobachtungen seine Wirksamkeit nachgewiesen habe. Ein Blick in wissenschaftliche Datenbanken (z.B. MedLine) widerspricht diesen Aussagen, da keine fundierten Daten bzgl. klinischer Unbedenklichkeit und Wirksamkeit veröffentlicht sind.

Bisher sind lediglich für den Faktor AF2 in der Literatur Studien unterschiedlicher Qualität belegt . Eine Studie zum Urothelkarzinom ergab, dass die komplementäre Gabe von Faktor AF2 keinen Einfluss auf die klinische Ansprechrate der Chemotherapie hatte, wohl aber deren Hämatotoxizität (= Therapie bedingte Reduktion von Zellen des Blutes) minderte. Diese Daten bedürfen der Bestätigung in einer kontrollierten Studie, da aufgrund der niedrigen Patientenzahlen in den Therapiegruppen lediglich ein viel versprechender Trend erkennbar war, der nicht als Beweis gelten kann. Eine Therapieempfehlung kann daher bisher nicht gegeben werden.

Für die anderen Organpeptidpräparate liegen entgegen mancher Werbeaussagen bislang keine wissenschaftlichen Studien vor.

Bewertung und Empfehlung:

Für Organpeptidpräparate fehlen bislang verlässliche Daten zu experimentellen/molekularen Wirkmechanismen sowie zur klinischen Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bei Krebspatienten.

Die Anwendung von Organpeptidpräparate in der Krebsbehandlung wird daher nicht empfohlen.

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Letzte Aktualisierung: 18.08.2017 © Krebsgesellschaft NRW